Geschichtliches und Tourismus

Die heutige Verteilung von Wald und Feld, von Verkehrswegen und Siedlungen sowie die gegenwärtigen Verwaltungsstrukturen an der mittleren Mulde sind Ergebnis einer wechselvollen Geschichte, die vor über 1000 Jahren begann. Die schriftlich verbrieften Anfänge liegen in dem schmalen slawischen Siedelgebiet, das 96l in einer Schenkungsurkunde Ottos I. als die "andere Landschaft Neletici, wo sich Burg und Ort Wurzen befinden" genannt wird. Etwa 80 Jahre später erscheint auch Colditz - zum slawischen Gau Chutuci gehörig - in den Quellen. An die ursprünglich slawische Bevölkerung erinnern noch viele Ortsnamen wie Bennewitz, Deuben, Nerchau, Mutzschen oder Flurnamen wie Collm, Planitz, Rietzschke.

Entlang der Mulde entstanden vor 1000 Jahren eine Reihe von deutschen Burgwarden (Lastau, Colditz, Döben, Nerchau, Wurzen, Püchau), die das Muldengebiet für das Reich sichern sollten, vor allem auch die Muldenübergänge und den Zugang zur weit nach Osten vorgeschobenen Reichsburg Meißen. Nach dem Verfall der Burgwardverfassung versuchten verschiedene feudale Gewalten, sich an der mittlerern Mulde festzusetzen: bei Püchau und Wurzen die Bischöfe von Meißen, in Nerchau die Erzbischöfe von Magdeburg, an der Furt beim späteren Grimma und in Naunhof die wettinischen Markgrafen von Meißen. Colditz, Döben und Mutzschen blieben zunächst in der Hand der Reichsgewalt.

Die nachweisbare Geschichte der Stadt Bad Lausick, die bis in das Jahr l096 zurückreicht, hat ihre Ursprünge zwar auch in dieser Zeit, verlief jedoch etwas anders. Die Grundlage für die Entwicklung der Stadt wurde mit der Gründung eines kleinen Klosters und der Erbauung der St.-Kilians-Kirche geschaffen.

In der Grimmaer und Wurzener Region wurden durch den Landesausbau, die verstärkte Ansiedlung von Bauern und die damit verbundene Rodung der Wälder die ursprünglichen Siedlungsinseln stark vergrößert und verbunden. Die wettinischen Markgrafen und Herzöge bzw. Kurfürsten von Sachsen konnten sich gegen alle Konkurrenten an der mittleren Mulde durchsetzen. Ihrem Erbamt Grimma wurden nach und nach alle anderen Territorien angegliedert. Nach dem Übergang der Kurwürde auf die Albertiner im Jahre 1547 wurde das Erbamt Grimma zum albertinischen Osterland, dem Leipziger Kreis geschlagen.

Nur das Wurzener Land blieb auch nach der Abdankung des letzten meißnischen Bischofs (1581) aus reichsrechtlichen Gründen bis 1818 als besonderes Territorium mit einer eigenen Stiftsregierung innerhalb des Kurfürstentums und danach noch 20 Jahre als eigenes Amt im Königreich Sachsen bestehen. Im Zuge der Reformen nach 1832 wurden bis 1838 alle sächsischen Ämter an der vereinigten Mulde und das Amt Oschatz im Amt Grimma vereinigt. Von nun an wurden in der Stadt Grimma wichtige untere Verwaltungsbehörden installiert. Während Oschatz 1873 wieder aus dem Amtsbezirk ausschied, verblieb das Wurzener Land, bis l952. bei der Amtshauptmannschaft bzw. dem Landkreis Grimma. Lediglich die Stadt Wurzen löste sich am 1.4.1926 als kreisfreie Stadt aus dem Bezirksverband heraus, was 1945 wieder rückgängig gemacht wurde. Die Verwaltungsreform von 1952 zerschlug den alten Landkreis Grimma, sie ließ das Wurzener Land mit der Stadt Brandis und einigen Gemeinden westlich der Mulde noch einmal als selbständige Verwaltungseinheit entstehen. Die Verwaltungsreform im Freistaat Sachsen restituierte an beiden Ufern der Mulde für die "Unterbehörde" eine Verwaltungseinheit, wie sie über Jahrhunderte sich entwickelt und im vorigen Jahrhundert ihren Abschluß gefunden hatte. Trotzdem sieht der Muldentalkreis nicht ganz wie die alte Amtshauptmannschaft aus: Börln und Bortewitz fehlen, sie blieben bei Oschatz; dagegen erweitern Bad Lausick, Ballendorf und Buchheim den Kreis im Südwesten. Borsdorf kehrte erst zum 01.01.1999 wieder zurück.

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