Das ist die Ostsee.
Die Ostsee entstand, als vor mehr als 10.000 Jahren gegen Ende der Eiszeit die letzte
Eisschicht, die das Land bedeckte, abschmolz. Durch dieses Tauwetter bedingt bildete sich ein
Süßwassersee, der sich aus dem Schmelzwasser der riesigen Eismassen zusammensetzte.
Kein anderer See auf der ganzen Welt ist mit der Ostsee vergleichbar.
Sie ist mit einer durchschnittlichen Tiefe von lediglich 54 m ziemlich flach.
Ihr Wasservolumen beträgt etwas über 21.000 km3. Hierbei handelt es sich nur um etwa ein Sechsmillionstel der
Wassermenge, die der Atlantik aufweisen kann.
Mit einer Oberfläche von etwas weniger als 40.000 km2 ist die Ostsee jedoch der größte
Brackwassersee der Welt. Dieser Binnensee wird kaum von den Gezeiten beeinflußt und ist
vollkommen von Land umgeben, wenn man von den Meeresengen absieht, welche die Ostsee über
den Sund mit der Nordsee verbinden. Die Hälfte der Ostsee ist von Wäldern und ein Fünftel von landwirtschaftlich genutzter Fläche umgeben.
Das Niederschlagsgebiet der Ostsee umfaßt eine Fläche von zirca 1,7 Mio. km2. Insgesamt werden der
See jährlich über 650 km3 Süßwasser zugeführt.
Die Ostsee wird durch mehr als 200 Flüsse und Ströme mit dem Süßwasser gespeißt. Das sind jährlich durchschnittlich 470 km3 Flußwasser. Dazu kommen noch die großen Frühjahrsüberschwemmungen,
wenn Schnee und Eis schmelzen. Da die Ostsee nur über einen schmalen Kanal mit
dem Ozean verbunden ist, liegt der Salzgehalt der Ostsee mit zwischen ca. 30 Teilen
v. T. in der westlichen Ostsee und nur ca. 1 Teil v. T. am oberen Ende des nördlichen
Teiles des Bottnischen Meerbusens im Vergleich zu den 35 Teilen v. T., die in
den Ozeanen zu finden sind, weit niedriger als der anderer Meere.
Auf der Oberfläche der Ostsee liegt eine Atmosphäre, eine Seeluft, die nicht stationär
und keineswegs homogen ist und gewiß nicht aus Luft allein besteht.
Die Ostsee kann in fünf Hauptgebiete unterteilt werden: In Bottenviken und Bottenhavet (die
nördlichen und südlichen Teile des Bottnischen Meerbusens), die eigentliche Ostsee,
den Finnischen und den Rigaer Meerbusen.
Um vom Kattegat in den südwestlichen Teil der Ostseeregion nach Bottenviken hoch oben im
Norden zu gelangen, durchquert man eine Reihe verschiedener mariner Welten und Umgebungen. In
einem empfindlichen Ökosystem leben in diesem See wie in keinem anderen zur Süßwasser- und
Meeresspezies gehörende Pflanzen und Tiere Seite an Seite.
Im Skagerrak, in einem unmittelbar außerhalb der Ostseeregion liegenden Gebiet, finden sich circa
1.500 große marine Pflanzen- und Tierspezies. Im südlichen Teil der eigentlichen Ostsee fällt diese
Zahl auf 150 ab. Nicht weit von Gotland entfernt beläuft sich diese Zahl noch
auf 80 und um Aland herum auf circa 50, während es in Bottenviken lediglich nur noch zwei oder drei
sind.
Es findet zur Zeit ein Prozeß der Bodenhebung statt. In dem Buch "Östersjön ett hav i förändring (Die Ostsee: Eine sich wandelnde See)"
schreibt Carl Nordling: "Ein Blick in die Zukunft läßt erkennen, daß in 3000 Jahren Gebiete wie Norra
Kvarken Trockenland sein werden, während im Stockholmer Sund ein 10 m hoher Wasserfall zu finden sein wird."
Wie geschädigt ist die Ostsee?
Jedes Jahr lassen die Ostsee Anrainerstaaten 10 Mio. Tonnen Stickoxide in die Luft ab. Die höchsten Emissionen,
die sich auf 4,2 Mio. Tonnen belaufen, stammen aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion.
In den westlichen Ländern sind größtenteils Autos und Lastkraftwagen für diese Emissionen
verantwortlich, während anderswo Kraftwerke und Lkws als Quelle an erster Stelle stehen. Auch der
Fährenverkehr auf der Ostsee trägt wesentlich zu der Stickstoffbelastung bei. Stickoxid-Emissionen, die von den Fähren
in die Luft ausgestoßen werden, belaufen sich jährlich auf circa 80.000 Tonnen.
Angesichts der an der Ostsee durch Überdüngung bereits angerichteten Schäden wird geschätzt,
daß eine vollständige Erholung zwischen 60 und 100 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Positive Zeichen könnten sich jedoch schon vor dieser Zeit abzeichnen. Wenn die Emission von
Nährsalzen sofort ganz erheblich reduziert würde, könnten sich die Bedingungen entlang den Küsten,
Felsenriffs und anderen Küsten gebieten in nur wenigen Jahren bessern.
Professor Ragnar Elmgren weist in Östersjön ett hav i förändring
darauf hin, wenn sich die Befürchtungen bestätigen sollten, daß sich die Umwelt auf
globaler Ebene einer Wandlung unterzieht, wird sich auch die Besorgnis um die Umwelt
an der Ostsee noch mehr zuspitzen.
"Die Maßnahmen, die zur Wiederherstellung der Umwelt an
der Ostsee in die Wege geleitet werden müssen, sind äußerst kostspielig
und müssen auf wissenschaftlichen Grundlagen basieren, wenn sie
kosteneffektive Ergebnisse erbringen sollen," betont Professor Fredrik
Wulff.
Was wird die Zukunft bringen?
Während der 50er Jahre war das Wasser der Ostsee noch klar.
Wissenschaftler untersuchten zu dieser Zeit ihre Brackwasserumwelt.
Die ersten Zeichen einer Umweltschädigung begannen sich in den 60er Jahren abzuzeichnen.
Die 70er Jahre wurden mit intensiver Arbeit im Feld und der Erfassung von Daten zum
Ökosystem der Ostsee zugebracht. Während der 80er Jahre breitete sich die Überdüngung bis zum
Kattegat und selbst bis zum Skagerrak aus. Die Verschmutzungsquellen und ihre
Auswirkungen wurden anhand großangelegter Projekte gemessen. Die Zunahme giftiger
Algenblüten wurde zunehmend wahrgenommen: Die See unterzog sich einer Wandlung.
Damit befinden wir uns in den 90er Jahren. Wir brauchen nun ein Forschungsprojekt, um alle die
Fakten zusammenzutragen und Ökosystem-Modelle zu schaffen, die eingehend untersucht
werden können.
Osterjorns Nr. 4/1997-98