Kaliningrad ist eine 450 000-Einwohner-Stadt.
Der Zentralplatz ist die geographische Schnittstelle, die dominierende Kreuzung
der zwei die Stadt beherrschenden Magistralen. Der Fixpunkt dafür ist das
Hotel "Kaliningrad". Kommt man vom Hauptbahnhof her auf dem Leninski
Prospekt, oder aus der entgegengesetzten Richtung, stets hat man
das "Kaliningrad" im Visier. Das gleiche gilt auch für die Ost-West-Richtung,
wenn man den Moskovski Prospekt fährt. Die breiten Prospekte
durchschneiden schnurgerade die Stadt.
Der Standpunkt, der Zentralplatz mit dem Hotel, liegt fast unmittelbar nördlich
des Schlosses. Auf der Straße vor dem klotzigen "Haus der Räte"
betritt der Besucher historischen Boden. Hier ragte einmal der wuchtige
Nordflügel der Ordensfeste in den Himmel. Jetzt rollt der
Verkehr darüber weg.
Bei genauer Betrachtung ist, wo der Leninski Prospekt leicht abfällt, links eine
im gleichen Maße anwachsende Steinmauer zu entdecken. Das ist der
Rest der Südwestecke der Schloßmauer.
Nordlich vom Zentralplatz liegt der Schloßteich (Nizhnee Ozero). Hier steht die Stadthalle, seit 1912 Zentrum des Königsberger Musiklebens. Nach dem Wiederaufbau und Eröffnung im Jahr 1991 befindet sich hier Museum für Geschichte und Kunst. Ein Besuch lohnt sich in dem baulichen Schmuckstück.
Auf dem Kneiphof steht der vor kurzem wiederaufgebaute Dom aus den Jahren 1330-1380.
Hier werden wieder Gottesdienste abgehalten, oft auch in deutscher Sprache.
Eines der Wunder, die mit dem Dom verbunden sind, geschah an seiner Nordostecke. Als in jener
schrecklichen Nacht vom 28. zum 29. August englische Phosphorbomben das Meisterwerk gotischer
Backsteinbaukunst in Schutt und Asche legten, blieb dort das Immanuel-Kant-Grabmal im
wesentlichen erhalten. Der steinerne Sarg unter der Inschrift "Immanuel Kant, 1724 - 1804"
ist fast immer mit Blumen oder Kränzen geschmükt.
In unmittelbarer Nähe seiner letzten Ruhestätte, nur wenige Schritte entfernt,
stand die Wirkungsstätte des berühmten Professors, die alte Universität.
Am alten Platz, wenn auch in anderer Gestalt steht wieder eine Universität. Mehr als 4000
Studenten sind hier eingeschrieben.
Im Liebenthal-Flügel (nach dem Erbauer genannt) der Universität ist das Kantmuseum untergebracht, der eine besondere Beachtung verdient.
Das Museum wurde 1974 anlßlich des 250. Geburtstags
des großen Philosophen eröffnet. Die Sammlung wurde mit großem
Fleiß überwiegend von der Leiterin Olga Fedoseevna Krupina zusammengetragen.
Seit dem 27. Juni 1992 wird Immanuel Kant noch auf eine Weise geehrt. Vor der Univesität
steht auf dem alten Granitsokel wie seit 1885 wieder sein Standbild. Das ist eine Nachbildung
der von Christian Daniel Rauch geschaffenen Statue.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Doms erinnert ein Granitfindling daran, daß hier fester Glaube und kritisches Bewustsein tief verwurzelt waren. Er ist Julius Rupp gewidmet, dem Gründer der ersten Freien evangelischen Gemeinde (1846). Er wurde zum Bahnbrecher einer großen freikirchlichen Bewegung, wie es kaum woanders in der Alten Welt gab.
Auf dem grünen Rasen des Domgeländes ruht das Steinbild Walters von der Vogelweide.
Figuren russischer Künstler sind auf dem Gelände weiter zu sehen.
Wir gehen zurück, die Treppe hinauf. Schon liegt die Börse vor uns. Das Gebäude ist 1870-1875 von Heinrich Müller-Bremen im Stil der italienischen Hochrenaisance erbaut. Heute befindet sich hier das Freizeitzentrum der Seeleute.
Weiter nach Süden auf der Straße Bogdana Chmelnickogo beindruckt die katholische Kirche "Zur heiligen Familie". Das 1907 eingeweihte Gebäude wurde in liebevoller Arbeit aufgebaut. Seit 1981 beherbergt es die "Kaliningrader Philarmonie".
Der Leninprospekt führt uns zum Südbahnhof. Das 1929 eröffnete Gebäude ist gut erhalten.
Neben dem Südbahnhof unterbricht das Brandenburger Tor die Hochhausreie. Die mit reichem Zierrat versehenen Giebel tragen die Bildnisse des Feldmarschalls von Boyen und Generals von Aster sowie den Preußenadler.
Zur Fahrt in die südliche Richtung benutzen wir die Straße Suvorova. Kievskaia Str.
bringt uns in den Stadtteil Dimitrova. Das hier gestandene Dorf namens Ponath wurde 1385 erwähnt.
Es wurde früher durch sein gutes Bier weit über seine Grenzen bekannt. Heute kommen
nur Maische und Mineralwasser aus dieser Gegend.
Hier steht im gepflegten Südpark die Ponarther Kirche, ein Sakralbau aus dem Jahr 1897.
Im Gebäude befindet sich jetzt eine Turnhalle. Der baulicher Zustand zeigt bedenkliche
Alterserscheinungen. Besser bestellt ist es um dir Rosenauer Kirche.
Die Straße Sudostroitelnaia bringt uns zu ihr . Sie ist jetzt Gotteshaus
des russisch-orthodoxen Konfession.
Für die Fahrt stadteinwärts benutzen wir die Straße Dzerzhinskogo.
Auf der linken Seite kommt das Friedländer Tor in Sicht. Hier lohnt sich ein Besuch.
Wie fast alle alten Stadttore , so blieb auch dieses im wesentlichen erhalten. Die Räume des Tores
wurden zu anheimelnden, dekorativ hergerichteten Versammlungs- und Ausstellungsräumen
umgestaltet.
Das angrenzender Park südlich der des Pr. Kalinina heißt Kultur- und Erholungspark.
Dort gibt es Bootfahren, Karussel, Angeln, Spiele und Spazierwege.
Über die Brückenstraße und die Hohe Brücke, neben der das alte
Brückenhaus mit den spitzen Tütmchen zu sehen ist, geht es in den
Weidendamm, Oktiabrskaia Straße. Rechts auf der Lomse an der Kusnechnaia steht die
Kreuzkirche. Die 1933 von Arthur Kickton errichtete Kirche ist zentrales Gotteshaus der Russisch-
Orthodoxen im Kaliningrader Gebiet. Die Oktiabrskaia Straße bring uns zurück zum Zentralplatz.
Ein Blickfang im Norden der Stadt ist das "Kaliningrader Dramentheater". Es befindet sich im Gebäude vom Neuen Schauspielhaus, das im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde. Das Gebäude hat ein zeitgemäßes Äußeres erhalten: Rundbögen an den Fenstern, Dreieck als Dachkonstruktion und die imposante Säulengalerie, Markzeichen russischer Architektur.