Mamonovo

Von hier sind es nur drei Kilometer bis zur polnischen Grenze vor Grunau. Der Übergang ist neuerdings auch für Touristen geöffnet.
Ein kleiner Mauerrest verrät den Platz der Stadtkirche. Sie war eine der ältesten in diesem Gebiet und soll bereits 1349 bestanden haben.
Zur erhaltenen Gebäuden gehören Mittelschule (Rathaus), das 1887 errichtete Kreis-Johanniter-Krankenhaus (weiter Klinik), Volksschule, Amtsgericht, 1929 erbaut, Post mit Posthorn.
Das St.-Georgs-Hospital wurde aufgestockt. Das schon 1416 erwähnte Hospital war anfänglich nur für Aussätzige bestimmt, diente später als Heim für mittellose Bürger, Krankenhaus, Erziehungsanstalt und schließlich als Wohnhaus. Das ist es auch heute.

Wer in nordwestlicher Richtung die Zentralstraße nimmt, sieht auf der linken Seite die Fabrikanlage. In ihren Werkhallen ist heute ein Fischkonservenkombinat untergebracht. Hier hat der Rudolf Wermke, genannt "Heiligenbeiler Krupp", mit einer kleinen Schmiede angefangen. Der "ostdeutsche Pflugbauer" besaß die erste Landmaschinenfabrik, die 1895 mehr als 100 Auszeichnungen erhielt. Seine Maschinen und Geräte gingen auch nach Rußland, Rumänien, Ungarn, Italien bis nach Südafrika und Südamerika. Für seine Beschäftigten baute Rudolf Wermke Arbeiter- und Beamtenhäuser. Eine vorbildliche Arbeiterfürsorge kam dazu. Das Markenzeichen OMH der Ostdeutschen Maschinenfabrik Heiligenbeil war berümt und begehrt.

Veseloe (Balga)
Wir fahren von Mamonovo in nordöstlicher Richtung und biegen nach sechs Kilometer bei Bobanovka (Gnadenthal) links ab. Nach dreieinhalb Kilometer passieren wir Znamenka (Hoppenbruch). Dann kerbt sich die Straße in die braune Erde ein, immer tiefer, bis wir in einen Hohlweg von geheimnisumwitternder Schönheit fahren. Wir sind kurz vor Veseloe (Balga).
An dieser Stelle stießen 1239 die Ordensritter als erste Deutsche vor, um das Land zu christianisieren. Und hier flüchteten 700 Jahre später, am 29. März 1945, die letzten Deutchen aus dem Kernland ihrer östlichsten Provinz.
Schon die Prußen Warmiens hatten auf der Landzunge am Frischen Haff die Burg Honeda gebaut. Der Deutsche Ritterorden hatte 1238 von Elbing aus einen Erkundungsvorstoß mit den Schiffen "Pilgrim" und "Fridtland" gemacht. Ein Jahr später, 1239, folgten der Angriff mit einer kampfstarken Truppe und die Eroberung der Heidenfestung. Die Ritter bauten die nicht gänzlich zerstörte Prußen-Feste 1240 bis 1250 zur ersten Ordens-Steinburg aus. Es entstand eine Anlage im unregelmäßigen Sechseck von gewaltigen Ausmaßen.
Nach der großen Zeit der Landnahme und in den Jahrhunderten danach verfiel die Burg. Schließ1ich wurden ihre Steine für den Festungsbau in Pillau verwendet.
Zuletzt überstand nur der Wachtturm der Vorburg die Stürme der Zeit. Hier hat die preußische Geschichte ihren Quell, der im Laufe der Jahrhunderte aus Wildnis fruchtbare Äcker machte, aus Heiden Christen, aus Menschen der verschiedensten Herkunft und Gegend eine einige Einwohnerschaft. Vom Ursprung her war dies ein Land mit einer wahrhaft europäischen Bevölkerung, vor allem, was ihre Vielfalt betraf,aber auch nach Kultur, Zivilisation und Glaube. Das war einzig in der ganzen Alten Welt. Von dieser historischen Stätte ist nur eine Ruine übriggeblieben. Auch der letzte erhaltene Bau der ältesten und bekanntesten Burgruine Ostpreußens, der Wachtturm der Vorburg, wurde im letzten Krieg zerstört. Aber ein Teil der geborstenen Mauern steht; ebenso die gewaltigen Restmauern der Vorburg links und rechts vor dem Turmtorso.
Von der Ordenskirche St. Nikolaus sind nur geborstene Wände und zerrissene Mauern geblieben. Diese Kirche entstand gleichzeitig mit der Burg und war somit die älteste der Provinz. Auf der Westseite ist der untere Teil des einst prächtigen gotischen Portals zu erkennen, der von einem rechteckigen Fries aus Vierpaßmuttern umrahmt war. Ein größeres Mauerstück steht auch auf der anderen Seite. Hier hatte seinen Platz der kunsvolle Altar aus dem Jahre 1649.
Von Balga blieb kein einziger Bau erhalten. Ein paar neue Holzbauten in Strandnähe bieten Quartier für Sportfischer.
Russische Archäologen schufen am Berg bei Balga eine symbolische Grabstätte für alle Toten dieser Erde. „Hauptsächlich gedenken wir damit der Deutschen, für die hier so lange Heimat war. Aber wir ehren damit auch die Prußen, die vor ihnen da waren." So Konstantin Zwerew, Leiter der Ausgrabungsarbeiten.