Wer in nordwestlicher Richtung die Zentralstraße nimmt, sieht auf der linken Seite die Fabrikanlage. In ihren Werkhallen ist heute ein Fischkonservenkombinat untergebracht. Hier hat der Rudolf Wermke, genannt "Heiligenbeiler Krupp", mit einer kleinen Schmiede angefangen. Der "ostdeutsche Pflugbauer" besaß die erste Landmaschinenfabrik, die 1895 mehr als 100 Auszeichnungen erhielt. Seine Maschinen und Geräte gingen auch nach Rußland, Rumänien, Ungarn, Italien bis nach Südafrika und Südamerika. Für seine Beschäftigten baute Rudolf Wermke Arbeiter- und Beamtenhäuser. Eine vorbildliche Arbeiterfürsorge kam dazu. Das Markenzeichen OMH der Ostdeutschen Maschinenfabrik Heiligenbeil war berümt und begehrt.
Veseloe (Balga)
Wir fahren von Mamonovo in nordöstlicher Richtung und biegen nach sechs
Kilometer bei Bobanovka (Gnadenthal) links ab.
Nach dreieinhalb Kilometer passieren wir Znamenka (Hoppenbruch). Dann kerbt sich
die Straße in die braune Erde ein, immer tiefer, bis wir in einen Hohlweg
von geheimnisumwitternder Schönheit fahren. Wir sind kurz vor Veseloe (Balga).
An dieser Stelle stießen 1239 die Ordensritter als erste Deutsche vor, um
das Land zu christianisieren. Und hier flüchteten 700 Jahre später,
am 29. März 1945, die letzten Deutchen aus dem Kernland ihrer östlichsten
Provinz.
Schon die Prußen Warmiens hatten auf der Landzunge am Frischen Haff die
Burg Honeda gebaut. Der Deutsche Ritterorden hatte 1238 von Elbing aus einen
Erkundungsvorstoß mit den Schiffen "Pilgrim" und "Fridtland" gemacht.
Ein Jahr später, 1239, folgten der Angriff mit einer kampfstarken Truppe und
die Eroberung der Heidenfestung.
Die Ritter bauten die nicht gänzlich zerstörte Prußen-Feste 1240
bis 1250 zur ersten Ordens-Steinburg aus. Es entstand eine Anlage im unregelmäßigen
Sechseck von gewaltigen Ausmaßen.
Nach der großen Zeit der Landnahme und in den Jahrhunderten danach verfiel
die Burg. Schließ1ich wurden ihre Steine für den Festungsbau in Pillau
verwendet.
Zuletzt überstand nur der Wachtturm der Vorburg die Stürme der Zeit.
Hier hat die preußische Geschichte ihren Quell, der im Laufe der Jahrhunderte
aus Wildnis fruchtbare Äcker machte, aus Heiden Christen, aus Menschen der
verschiedensten Herkunft und Gegend eine einige Einwohnerschaft. Vom Ursprung her war dies
ein Land mit einer wahrhaft europäischen Bevölkerung, vor allem, was
ihre Vielfalt betraf,aber auch nach Kultur, Zivilisation und Glaube. Das war
einzig in der ganzen Alten Welt.
Von dieser historischen Stätte ist nur eine Ruine übriggeblieben.
Auch der letzte erhaltene Bau der ältesten und bekanntesten Burgruine
Ostpreußens, der Wachtturm der Vorburg, wurde im letzten Krieg zerstört.
Aber ein Teil der geborstenen Mauern steht; ebenso die gewaltigen Restmauern der
Vorburg links und rechts vor dem Turmtorso.
Von der Ordenskirche St. Nikolaus sind nur geborstene Wände und zerrissene Mauern geblieben.
Diese Kirche entstand gleichzeitig mit der Burg und war somit die
älteste der Provinz. Auf der Westseite ist der untere Teil des einst
prächtigen gotischen Portals zu erkennen, der von einem rechteckigen Fries
aus Vierpaßmuttern umrahmt war. Ein größeres Mauerstück steht
auch auf der anderen Seite. Hier hatte seinen Platz der kunsvolle Altar aus dem
Jahre 1649.
Von Balga blieb kein einziger Bau erhalten. Ein paar neue Holzbauten in Strandnähe
bieten Quartier für Sportfischer.
Russische Archäologen schufen am Berg bei Balga eine symbolische
Grabstätte für alle Toten dieser Erde. Hauptsächlich gedenken wir
damit der Deutschen, für die hier so lange Heimat war. Aber wir ehren damit
auch die Prußen, die vor ihnen da waren." So Konstantin Zwerew, Leiter der
Ausgrabungsarbeiten.