Pravdinsk Kaliningrader Gebiet

Pravdinsk begrüßt den Besucher mit freundlichem Gesicht. Von der Alle-Brücke am Ortseingang geht der Blick auf eine heile Welt. Lieblich die Flußlandschaft zur Linken wie zur Rechten, anheimelnd die Allenauer Vorstadt. Zahlreiche Bauten sind erhalten und in gutem Zustand. Nur ein paar Schritte vom Markt bis zur St.-Georgs-Kirche. Der mächtiger Bau beherrscht immer noch das Stadtbild. Die Spuren des Verfalls sind jedoch zu erkennen. Es wird versucht, das historische Gebäude durch umfangreiche Renovierung zu retten. Es ist jetzt Kirche der Russisch-Orthodoxen.
Die spätgotische Hallenkirche aus dem 14.Jahrhundert war einer der bemerkenswerten Sakralbauten der Provinz. Seine Innenausstattung war reichhaltig und wertvoll.
Auf dem Turm, hoch über dem erneuerten kegelförmigen Aufsatz, hat das Kreuz die Stürme der Zeit überstanden. Dort oben, auf den wehrhaft wirkenden Mauern mit dem zinnenartigen Abschluß, stand am 14.Juni 1807 der Oberkommandierende der Russischen Truppen, General v. Bennigsen, und leitete die Schlacht bei Friedland gegen Napoleons Armee. Fast 30 000 Tote forderten die schwere Kämpfe, 20 000 allein auf russischer Seite. Friedländer Bürger bestatteten sie auf dem St.-Lorenz-Friedhof. Sie errichteten auch eine drei Meter hohe Sandstein-Pyramide.
Eine besonders schöne Ansicht bietet sich dem Besucher von Mühlenteich unterhalb der Kirche. Auf der Anhöhe hinter dem schilfbestandenen Ufer, dem Wollberg, thront St. Georg. Der Ostgiebel ist markanter Blickfang. Er ist eine auffällige Gestalt mit Strebepfeilern, Windlöchern und Fensterhöhlen noch aus dem 14. Jahrhundert, als die Stadt hier - vermutlich 1335 - ihren Anfang nahm. Vorher war an dem Platz eine prußische Siedlung.

Domnovo

Wir fahren von Pravdinsk in westlicher Richtung. Sanfte Hügel beleben die Flur. Störche stelzen durch die grünen Wiesen. Eine prächtige Lindenalle führt fast bis Domnovo.
Die Stadt ist auf zwei Hügeln an dem Flüßchen Gerlach aufgebaut.
Um 1300 hatte der Orden eine Burg angelegt. Die Siedlung in ihrem Schutz erhielt 1400 das Stadtrecht. Siebenmal wurde sie in ihrer langen Geschichte niedergebrannt. Die Zerstörung im zweiten Weltktieg war die achte.
Auf der östlichen Seite stehen die Boten der vergangenen Zeit. Dort prägen Kriegerdenkmal, Kirchenhang, das Grün der Büsche und Bäume, ein paar alte Häuser und alles überragend der Turm der Kirche das Bild. Das Ehrenmal trägt einen marmornen Stein und erinnert an die russischen Opfer im Krieg gegen Napoleon. Früher hatte das Denkmal eine Säule mit dem Eisernen Kreuz und erinnerte an die Toten des Ersten Weltkrieges.
Die Kirche wurde zweckentfremdet genutzt, soll aber wieder Gotteshaus werden. Das in den Anfängen aus dem Jahre 1321 stammende Bau ist eine typische Ordenskirche. Ihr gotisches Westportal, der Stadt zugewandt, ruht auf einem Sockel von Feldsteinen. Ein Spitzbogen aus Granit umrahmt den Eingang.

In Richtung Kaliningrad sind Altbauten erhalten. Die Gebäude von Raiffeisenkasse, Post, Amtsgericht stehen noch. Ein besonderer Blickfang sind am Ende der Poststraße die großen Gebäuden der Mühlenwerke Scherwitz.

Domnau hatte eine bedeutende kulturelle Traditon. Schon 1400 wurde die erste Schule eingerichtet, und ab 1525 gab es eine Lateinschule.

In Domnau wurde 1590 Georg Weißel geboren. Seine Lieder, die im Domnau ihren Ursprung hatten und in aller Welt erklangen, sind immer noch zu hören. Insgesamt schuf er 20 Kirchenlieder.